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Herbert Thiele

Herbert Thiele (* 6. Juni 1905 in Zwickau, † 1973 in Berlin) war freier Maler und Graphiker in Berlin. Zwischen 1923 und 1929 studierte Thiele an der Akademie für graphische Künste und Buchdruckerkunst in Leipzig und war dort Meisterschüler von Aloys Kolb und Walter Tiemann. In dieser Zeit unterrichteten auch die Professoren Walter Buhe, Willi Geiger, Hugo Steiner-Prag und Soltmann. Aus dem Nachlass Thieles existieren noch Graphiken, Linolschnitte und Zeichnungen, in denen er Tiere und Landschaften der Ukraine während seiner Zeit als Soldat im Zweiten Weltkrieg und Szenen des vom Krieg zerstörten Berlins gestaltet hat.


Ruinenbilder: Berlin 1945 in Trümmern

Nach dem 2. Weltkrieg gegen Jahresende kam Herbert Thiele zurück in sein Berlin. Er war aus Amerikanischer Kriegsgefangenschaft in Bayern in den Wirrender ersten Zeit geflohen und zu Fuß mehrere Wochen durch Deutschland "nach Hause getippelt", wie er immer sagte. Beim Wiedersehen mit der zerbombten Stadt ist einiges in ihm vorgegangen: Schrecken, Entsetzen, Empörung. Was war aus dieser Stadt geworden, in der er - in den zwanziger Jahren aus Leipzig kommend - unbedingt arbeiten und leben wollte! Seiner Sprachlosigkeit hat er versucht Ausdruck zu geben. Auf langen Wegen durch die von Ruinen und Trümmerhaufen gesäumten Straßen und Plätze hat er seine Empfindungen verarbeitet.

Entstanden ist eine Serie von 32 ausdrucksstarken, zum Teil düster-gespenstischen Zeichnungen in Scriptol, die 1948 vollendet wurde. Unerschöpflich waren die Motive: Chaos, Fassungslosigkeit herrschten. Herbet Thiele ist auf seine Art und mit seinen Mitteln damit fertig geworden.

Veröffentlicht oder einem Publikum gezeigt wurden die Arbeiten aber leider nie. Wer konnte, wer wollte so etwas nach dem Krieg sehen? Auch in den folgenden Jahren des Wiederaufbaus und des wirtschaftlichen Wiederaufschwungs bestand kein Erinnerungsbedarf an die Zerstörungen des Krieges. Damit aber dieser Abschnitt in Berlins Geschichte nicht vergessen wurde und wird, dazu hat auch Herbert Thiele mit diesem Werk seinen Teil beitragen können.

Die Ruinenbilder befinden sich in Familienbesitz.

 
 
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